Geboren 1968 in (Vereinigte Staaten)
Biographie
Doug Aitken, geboren 1968 in Redondo Beach, Kalifornien, studiert am Marymount College von Palos Verdes und anschliessend am Art Center College of Design in Pasadena (Kalifornien), das er 1991 mit einem Diplom verlässt.
Bereits Anfang der 90er Jahre macht er sich einen Namen in der Kunstszene von Los Angeles. In den Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit stellt er unsere Wahrnehmung der heutigen Gesellschaft, die immer mehr zersplittert ist und an Schnelligkeit zunimmt. Seine technische Meisterschaft, zusammen mit einer poetischen Haltung, lässt imposante und sinnliche Werke entstehen, in denen die Narration zunehmend aufgebrochen wird. Er erforscht Begriffe wie Gegenwart, Entfernung und Gedächtnis.
In den 90er Jahren setzt er sich mit den Techniken von Videoclips auseinander. Mit The rockafeller skank, 1998, für Fat Boy Slim oder The fear, 1999, für µ-ZIQ, bewegt er sich in Referenzen, die in Beziehung zur Musikindustrie und zum Bild in der Fernsehkultur stehen.
Zur gleichen Zeit werden seine ersten Arbeiten im Fernsehen gesendet. 1992 zeigt sein Film Inflection Aufnahmen von Bildern, von einer Kamera aufgenommen, die an einer Rakete hängt, und I'd die for you, 1993, fasst die dramatischsten Momente von Filmen mit John Wayne zusammen.
Früh ist bei Doug Aitken eine Faszination für Naturgewalten wie Wasser, Lava, Wüste, zu beobachten. Er befasst sich mit Begriffen wie Landschaft, Geschwindigkeit und vor allem mit unserer Beziehung zu diesen Themen. Unser Verhältnis zu verlassenen Landschaften und menschenleeren Gebieten bildet eine seiner wichtigsten Recherchen. 1998 filmt er mit Eraser die Auswirkungen eines Vulkanausbruchs auf der Insel Montserrat, ein Jahr nach dem Ereignis.
Doug Aitken interessiert sich von Anfang an für verschiedene Medien und arbeitet mit zahlreichen Zeitschriften zusammen. Ein Teil seiner Arbeit konzentriert sich auf die Fotografie. Mit Plateau, 2002-2003, stellt er Fotozyklen zusammen, die an imaginäre Stadtarchitekturen erinnern.
Von einer Ausstellung zur nächsten beweist der Künstler seine Meisterschaft der Darstellungsmittel des Bildes in Bewegung. Er erforscht verschiedene Projektions- und Rezeptionsformate in Bild und Ton, seine Installationen ziehen alle auf besondere Weise die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich.
In seinen verschiedenen Installationen schlägt Doug Aitken eine neue Art, die Beziehung zum Kinozuschauer zu formulieren, vor und lässt ihm die Möglichkeit, sich zu bewegen und vollkommen in die Bilder einzutauchen:
Diamond Sea, 1997, versucht, die von zwei Diamantenminen versteckte Landschaft in Afrika aufzuzeigen. Die Installation besteht aus zwei Videogeräten, einem hängenden Monitor und einem alten, erleuchteten Foto in einem dunklen Raum. Vier Lautsprecher gehören zu einem Tonexperiment, das den Zuschauer umfängt.
Die Installation Eraser (1998) enthält sieben grosse Bildschirme, die den Raum, in dem der Zuschauer aufgefordert ist, sich zu bewegen, einnehmen. Wie in einem Kino leitet nur das Licht der Filme den Zuschauer.
1998 präsentiert die Video-Installation These Restless Minds eine Vorrichtung von drei Monitoren in Augenhöhe. Sie sind im Kreis aufgestellt und man kann sie stehend oder auf einer der drei Bänke sitzend betrachten. Die mehrfache Ausstrahlung des Tons (sich wiederholende Sätze der Verkäufer von Versteigerungen, die unablässig zählen) verstärken die Geräusche im Raum.
1999 erhält Doug Aitken für die Installation Electric Earth den Preis der Biennale von Venedig. Eine Vorrichtung mit acht Bildschirmen führt den Zuschauer durch eine Folge von Bildprojektionen, in städtischer Umgebung aufgenommen. Diese Videoinstallation, die Traum und Wirklichkeit miteinander verbindet, nimmt den Parcours eines sich in den mechanischen Geräuschen leerer Strassen verlierenden Menschen wieder auf. Der Künstler nähert sich hier also einer elektrifizierten Struktur unserer städtischen Umgebung mit dem Nervensystem des menschlichen Körpers.
Mit der Zeit löst sich Aitken allmählich vom Studium der Besonderheiten von Landschaften und wendet sich mehr mit den Menschen zu, die diese Landschaften bewohnen. Er konzentriert sich darauf zu zeigen, dass der technologische Fortschritt nicht nur die Materialien und Objekte, mit denen wir leben, sondern auch unsere Begriffe von Schnelligkeit, Zeit und Raum verändert.
2002 erforscht er mit der Installation New Skin auf fiktionale Weise den Bezug zwischen unserem Seh- und Hörvermögen und der Entwicklung des Gedächtnisses. Die Vorrichtung dieser Installation beruht auf vier Bildschirmen in elliptischer Form, in X-Form durchkreuzt.
Doug Aitken zeigt den Menschen angesichts seiner unterschiedlichen Erfahrungen in einem ständigen Kommen und Gehen zwischen privatem und öffentlichem Raum, zwischen Einsamkeit und sozialem Leben. Er stellt Elemente der Welt, des Alltags einander gegenüber und ordnet sie auf eine im voraus bestimmte Art und Weise. Das daraus entstandene Kaleidoskop wird zu einem Versuch, die Welt so wie sie ist in ihrer Gesamtheit und Gleichzeitigkeit kommentarlos zu erfassen und zu begreifen.
2005 wird Doug Aitken in das Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris zu seiner ersten Einzelausstellung nach Paris eingeladen. Drei Installationen bilden eine szenische Vorrichtung, wie ein Drehplatz inmitten des Couvent des Cordeliers, einem Kloster, das einen für die Fiktion geeigneten Raum begrenzt. Von der Dunkelheit zum Licht durchläuft der Besucher eine Strecke, deren Verlauf er jederzeit verändern, die Linearität brechen, ein Szenario erfinden kann, um so zum Subjekt selbst der Ausstellung zu werden.
Laetitia Rouiller