Geboren 1966 in (Dänemark)

Biographie

Geboren 1966 in Aarhus, Dänemark, lebt und arbeitet in Kopenhagen. Von 1988 bis 1994 studiert er Malerei an der Royal Danish Academy of Fine Art in Kopenhagen, und am Goldsmith College in London, das er 1995 mit einem Diplom verlässt.

 

Nach seinen Anfängen als Maler, beeinflusst vom abstrakten  Expressionismus, sieht sich Peter Land bald mit der Frustration, nicht mehr zu wissen, warum er malt, konfrontiert. Während seines Studiums entdeckt er das Medium Video durch Arbeiten von Künstlern wie Bruce Nauman, Vito Acconi, Mike Kelley oder Paul McCarthy. Er beginnt daher 1994 mit der Produktion von Videos, die nach und nach seine Aktivitäten als Maler ersetzt.

 

Peter Land ist der alleinige Darsteller in seinen Videos. In diesen inszeniert er sich selbst und beweist dabei ein physisches Engagement, das ihnen die Qualität von Performances verleiht. 1994 wird er durch das Video mit dem Titel „Peter Land 5 May 1994“ bekannt, in dem er mit seiner vorhergehenden Arbeit „tabula rasa“ macht und sich, sowohl im  wahren als auch im bildlichen Sinne des Wortes, nackt zeigt. Er lotet aus was bleibt, wenn alle kulturellen und sozialen Werte, die man sich angeeignet hat, demaskiert, annuliert und unterdrückt werden: in einer Demonstration von Vitalität und dem Willen, trotz allem zu existieren, entblösst er in vollkommen betrunkenem Zustand und ohne Hemmungen seinen unvollkommenen Körper.

 

Er fährt mit seiner Videoarbeit fort und entwickelt burlesken Komödien und dem Theater des Absurden entliehene Referenzen, aber das anfängliche Gelächter, das er hervorruft, macht  schnell dem Schuldgefühl Platz, Zeuge von etwas Konfusem und Schmerzhaftem, dem man sich entzogen hat, gewesen zu sein.

 

1995 präsentiert Peter Land „Pink Space“, ein Video, in dem er die Rolle eines zweitklassigen  Komikers spielt. In einem Anzug von schlechtem Geschmack betritt er die Bühne, ein Glas Whisky in der Hand. Vollkommen betrunken versucht er, eine Geschichte zu erzählen, er kann sich jedoch nicht auf den Beinen halten und fällt ständig vom Barhocker. Dieses Verhalten wird in verschiedenen Variationen unablässig wiederholt, untermalt von einer altmodischen Pianobar-Musik, bis die Szene eine traurig verstörende Richtung annimmt.

 

Anschliessend, nach drei Jahren der Unterbrechung, widmet sich Peter Land erneut dem Zeichnen. Seine Arbeiten, zwischen Karikatur und Comics, führen direkt in seine phantastische Welt ein: eine Welt der Schwerelosigkeit, in der sich Angst, Phantasmen und Träume enthüllen. Er spürt den gleichen Referenzen zum Mythos des Sisyphos in Situationen nach, in denen die Figuren dazu verdammt sind, zu scheitern, gleichgültig was sie tun.

 

Mit dem Video „Stepladder Blues“ (1996), führt Peter Land seine Arbeit zum Thema Sisyphos weiter. Ein Mann versucht vergebens, die Decke eines Raumes zu streichen: er steigt  auf einen Hocker, von dem er dauernd herunterfällt.

 

1998, im Untergeschoss des Gebäudes des C.P.C.A.-Bonnevoie in Luxemburg zeigt Peter Land „The Staircase“, eine Videoinstallation, die aus zwei gleichzeitigen Vorführungen auf  sich gegenüberliegenden Mauern besteht. Die Projektion eines Sternenhimmels, der sich allmählich entwickelt, verleiht dem Raum eine verlängerte Zeitqualität. Gegenüber diesem ersten Video scheint Peter Land in einer sich wiederholenden und fortwährenden Bewegung eine Treppe hinunterzufallen.

Auf diese Weise gestaltet der Künstler mit einfachen technischen Mitteln die Tradition der Körperkunst neu. Der Ernst und die moralisierende Geste lassen für Humor und Selbstspott Raum, aber durch die Absurdität der Handlungen hinterfragen sie auch den Zuschauer.

 

In „The Lake“, 1999 für eine Ausstellung im Fri-Art, einer zeitgenössischen Kunsthalle in Freiburg in der Schweiz entstanden, stellt Peter Land den letzten Spaziergang eines Jägers vor. Diese Arbeit besteht aus einem Video und 12 Fotos, die den Künstler als Jäger verkleidet darstellen: mit einem geschulterten Gewehr und einer Flasche Whisky durchquert er den Wald in Richtung eines Sees.

Er läuft durch diesen Wald, gefilmt wie in einem Dokumentarfilm, begleitet von der 6. Symphonie von Ludwig van Beethovens Pastorale. Er ereicht das Ufer eines Sees, wo er in ein Boot steigt, bis zur Mitte des Sees rudert und dort anhält. Er zielt auf sein eigenes Boot. Der Schuss stört die scheinbare Ruhe der Szene und gibt der Inszenierung eine neue Richtung: Während das Boot langsam untergeht, bleibt der Jäger stoisch sitzen, bis zu seinem Verschwinden unter Wasser.

 

Diese Art des Selbstmords, absurd und tragisch, löst das Rätsel dieser Inszenierung in der der Darsteller nur Objekt eines Schicksals ist, gegen das er sich nicht wehrt.

 

2002 wird Peter Land vom Mamco in Genf eingeladen, eine Ausstellung von Skulpturen, Videoarbeiten und Zeichnungen mit dem Titel „Nemo on the Borderline“ zu präsentieren.

Zum ersten Mal arbeitet er dreidimensional, stellt jedoch ebenfalls seine Malerei von zehn Jahren aus.

Die Mehrzahl seiner Werke leitet sich aus dem Thema des physischen wie des psychischen Kontrollverlusts ab, den man in einem Zustand zwischen Wachen und Schlafen spüren kann.

Dieser Kontrollverlust wird durch grosse Figuren in Schlafanzügen dargestellt, deren Arme und Beine zu riesigen Gliedmassen, wie lange Spaghetti, geworden sind.

Auf einem der Monitore im Ausstellungsraum kann man ebenfalls eine Person sehen, die ständig dabei ist, einzuschlafen, ohne dass es ihr, gestört duch das Glockenläuten einer Kirche, das aus einem Monitor von nebenan kommt, wirklich gelingt.

 

In der Mehrzahl seiner Arbeiten geht Peter Land  Fragen nach dem menschlichen Verhalten in Extremsituationen oder dem Kontrollverlust nach. Es gelingt ihm, sie in ihrer Absurdität, die diese Situationen manchmal auslösen können, zu zeigen.

 

Laetitia Rouiller